Wie finde ich das richtige Bauunternehmen?

Nun, zunächst einmal muss das Budget passen. Wenn ich nach Abzug von Baunebenkosten und Grundstückskosten noch 200.000 Euro für das Haus übrig habe, kann ich halt nicht auf ein hochpreisiges Bauunternehmen zurückgreifen.
Grundsätzlich ist der erste Schritt, die Ermittlung des Budgets (mittels Bankberatung) und daraus resultierend die Summe die das Haus kosten darf.
Mit dieser Summe geht man auf die Suche nach einem Hausanbieter, der in dieses Preissegment etwas anzubieten hat. Die berühmte Hauskatalogbestellung geht los. Hat man etwas gefunden was zum Budget und den Vorstellungen passt, sollte man das Bauunternehmen einer gewissen Vorprüfung unterziehen. Was z.B. findet man an Bewertungen über das Bauunternehmen im Internet? Was sagen oder schreiben die Bauherren? Wenn ein Bauunternehmen z.B. 10 Negativeinträge erhält und nur 50 Häuser im Jahr baut, ist das ein schlechter Wert. Baut es 1000 im Jahr und erhält 10 negative Bewertungen, kann man diese vernachlässigen. Wie viel Häuser ein Bauunternehmen im Jahr erstellt, erfährt man sicher bei einer dortigen Beratung.
Dann ist es wichtig zu wissen wie viele Jahre das Bauunternehmen schon existiert. Viele Jahre bieten zwar keine endgültige Sicherheit, aber zeigt schon wie wirtschaftlich gesund es wohl schon ist. Zudem ist dann reichlich Bauerfahrung vorhanden! Und wer in dieser offenen Internetwelt lange existiert, kann nicht so viel verkehrt gemacht haben.
Hier sind aber Bauunternehmen, sogenannte General-Bauunternehmen, eher zu bevorzugen, wie Baubetreuungsunternehmen oder Architekten. Der Generalunternehmer hat viele eigenen Handwerker, leistet alles und haftet auch für alles, das Baubetreuungsunternehmen beauftragt fremde Firmen mit dem Bau, der Architekt beauftragt einzelne Handwerker in Ihrem Namen.
Sobald man die Vorprüfung abgeschlossen hat, vielleicht sogar mal mit Bauherren gesprochen hat, sollte man in ein Beratungsgespräch gehen. Allerdings rate ich dazu vorab die Preiseliste zu kennen und auch eine Baubeschreibung anzufordern. Sperrt sich schon hier ein Bauunternehmen, spielt es nicht mit offenen Karten.
Für eine Beratung nehmen Sie sich mindestens 2 Stunden Zeit und machen Sie sich eine Frage- bzw. Themenliste*. Gehen Sie diese durch und lassen Sie sich nicht vom Berater vom Wege abbringen. Lassen Sie sich auch Muster-, Referenzhäuser oder Rohbauten zeigen.
Vorsicht nur vor Referenzbauherren. Die sind in der Regel „ausgesucht“. Besser ist es noch in ein Baugebiet zu fahren wo das Bauunternehmen baut oder gebaut hat und einfach einmal vorsichtig bei den Bauherren zu klingeln, die schon mit dem Bauunternehmen gebaut haben.
Verläuft alles gut, stimmt also das Baugefühl und der Preis, lassen Sie sich ein Angebot mit Zeichnung, Baubeschreibung, Zahlungsplan und Werkvertrag erstellen. Damit suchen Sie dann am besten eine unabhängige Bauberatung auf. Hier bieten sich z.B. die Verbraucherzentralen an oder auch der Verband privater Bauherren. Lassen Sie sich aber bitte niemals von „ihrem“ Verkaufsberater unter Druck setzen! Jede preisliche Aktion hat auch noch gewisse Toleranzzeiten, wenn beide Seiten auch wirklich miteinander wollen.
Haben Sie sich entschieden, alles geprüft, prüfen lassen, dann können Sie gerne unterschreiben, allerdings mit kostenfreien Rücktrittsrecht, falls Ihre Finanzierung bis zu einem gewissen Zeitpunkt doch noch platzen sollte. Man weiß ja nie. Achten Sie aber darauf, dass bei einer Stornierung keine oder nur geringe Kosten für Sie anfallen! Die Frage ist, was hat das Unternehmen bis zum Zeitpunkt der Stornierung für Sie getan?
Ich glaube das waren jetzt einige gute Tipps. Brauchen Sie noch mehr, dann nehmen Sie Kontakt zu mir auf. Ich freue mich drauf!

* z.B.: Wie lange wird gebaut? Wann kann gebaut werden? Wo kann man die Ausstattung ansehen? Wie hoch werden voraussichtlich die Verbrauchs-/Energiekosten sein? etc.

Massivbauweise, Fertighaus oder anderes…

Auch hierzu werde ich des öfteren gefragt. So pauschal ist das nicht zu beantworten. Zudem erwartet jeder von mir, dass ich pro massiv und contra Fertigbauweise spreche. Ich habe selber schon ein paar Jahre in einem Haus in Holzrahmenbauweise gelebt und kann nichts Schlechtes darüber sagen. Allerdings hatte es Deckenhöhen bis in die Dachspitze und zudem ein Grasdach, was beides wiederrum zu einem besseren Raumklima, speziell durch das Dach durch die Temperaturabdämpfung, führt. Preislich €žtun sich hochwertige massive Häuser und gute Fertighäuser kaum etwas. Hier und da gibt es Gutes, sehr Gutes und weniger Gutes. Den größten Unterschied stellt man fest, wenn man ein gebrauchtes Haus verkaufen möchte. Für vergleichbare, massiv gebaute Häuser sind die Interessenten bereit mehr zu zahlen, so jedenfalls meine frühere Erfahrung als Immobilienkaufmann bei der LBS. Es fühlt sich scheinbar werthaltiger an. Ein anderer Unterschied ist das Raumklima und die Fassade. Das Raumklima ist bei der Massivbauweise aus meiner Architektensicht ausgeglichener, weil die Wände halt Wärme speichern, aufnehmen und wieder abgeben können, wie auch einen gewissen Anteil an Raumfeuchte. Bei der Fassade liegt der Unterschiede beim Außenputz beim Fertighaus und das Verblendmauerwerk beim massiven Haus. Verblendmauerwerk ist pflegeleichter, braucht nie gestrichen zu werden und behält immer das gleiche Aussehen. An einem Verblendmauerwerk kann eigentlich nichts abplatzen und auch Verunreinigungen sind sehr viel schwerer zu sehen. Ein weiterer Nachteil des Fertighauses kann entstehen, wenn Wasser „im Spiel“ ist. Wasserschäden „verzeiht“ ein Haus aus Holz nur schwer. Auch im Brandfall bleibt davon auch wenig übrig. Was den Schallschutz betrifft, so hat die Massivbauweise deutliche Vorteile. Ist ja auch logisch, weil alles massiver, besonders die Decken.
Alles in allem liegt ein Fertighaus immer hinter einem Massivhaus, u.a auch in der Lebensdauer (siehe auch: ratgeber_bauen).
Und was ist mit der Massivbauweise ?
Von massiv gebauten Häusern mit Wärme-Dämm-Verbund-Bauweise rate ich ab. (siehe auch: Wärmedämmverbundsystem ) Ob der Putz darauf 10 Jahre oder mehr hält garantieren die wenigsten. Fällt einmal ein Fahrrad um und mit dem Lenker dagegen, ist ein Loch in der Fassade durchaus möglich. Ich selber habe noch nie eine solche Fassade nach Jahren in 1a Verfassung gesehen. Bei einer Renovierung der Wärmeämmverbundfassade fallen zudem sehr hohe Entsorgungskosten an. Wenn jemand eine Putzfassade aber so sehr mag, ist es wesentlich ratsamer, bei einem zweischaligem Aussenmauerwerk zu bleiben und die äußere Fassade mit einer zusätzliche massiven und verputzen Aussenschale zu versehen, z.B, aus Gasbeton. Eine massiver einschaliger Wandaufbau ist auch nicht zu empfehlen (siehe Beitrag zweischalige oder einschalige Wände  ).
Fazit: Fertighaus oder Massivhaus ? Man sollte sich viel Zeit nehmen um das Für und Wider abzuwägen.

Hier noch ein Bilderlink zum Thema „Mängel beim Wärmedämmverbundsystem